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Goethe: Der getreue Eckart

Die wichtige Fernstraße am Fuße der Eckartsburg war auch Grund dafür, daß während der Zeit der Deutschen Klassik Goethe die Burg auf der Finne kennenlernte.

Nach dem Willen seines Vaters sollte aus dem jungen Goethe ein tüchtiger Jurist werden. So kam es, daß Johann Wolfgang zusammen mit dem Buchhändler Fleischer Ende September 1765 nach Leipzig reiste, um sein Studium an der Juristischen Fakultät der dortigen Universität aufzunehmen. Die Fahrt führte über die Hohe Straße, also auch durch Eckartsberga. Der allgemeine Zustand der Handelsstraßen war damals oft sehr schlecht.

Ein anonymer Berichterstatter zeichnete etwa zur selben Zeit, im Jahre 1786, den Weg zwischen Halle und Leipzig in düsteren Farben. Dieser sei “unbeschreiblich elend”, wobei ihm auf der ersten Meile auf seiner Reise “schier Angstschweiß ausgepreßt” habe. Überhaupt “stehe es mit dem Wegebau über alle Beschreibung schlecht, oder vielmehr, es zeigen sich auch nirgendwo Spuren, daß derselbe statt fände.”

Es verwundert deshalb nicht, daß auch die Reisekutsche Goethes während seiner Herbstreise in die Stadt an der Pleiße im Morast der ausgefahrenen Strecke stecken blieb. Dies geschah kurz vor Eckartsberga und der Reisegesellschaft blieb nichts anderes übrig, als in der Dorfschenke von Auerstedt zu übernachten. Am anderen Morgen sah der junge Goethe im Frühschein der Herbstsonne die Türme und Mauern derEckartsburg vor seinen Augen auftauchen. Beinahe ein halbes Jahrhundert später kam es zu einem ähnlich unfreiwilligen Aufenthalt Goethes in Eckartsberga.

Er war auf einer seiner Reisen in die nordböhmischen Badeorte, die er wegen seiner angegriffenen Gesundheit regelmäßig unternahm, als in Eckartsberga ein Rad seines Reisewagens gewechselt werden mußte. Goethe nutzte die Zeit, um auf die Eckartsburg hinaufzusteigen. Dort ließ er seinen Blick über das weite Thüringer Land schweifen. Offensichtlich durch den Orts- und Burgnahmen angeregt, begann der Dichter eine thüringische Version der Sage vom getreuen Eckart niederzuschreiben. Noch unterwegs fing er an, sie rhythmisch auszubilden. In Naumburg konnte die Ballade bereits endgültig abgeschlosssen und nach Weimar übersandt werden, wo sich seine Frau Christine als erste daran erfreuen durfte.

Vor der Eckartsburg, an der Stelle, wo der Dichter an jenem Frühlingstag stand, befindet sich heute die Goethebank, die folgende Inschrift trägt:

“Angesichts der Eckartsburg dichtete Goethe am 17.April 1813 seine Ballade “Der getreue Eckart” und schrieb sie in Eckartsberga während des Postwechsels nieder.”

In Goethes Tagebuchblättern findet sich zu diesem Ereignis folgende Eintragung:

“17.4.1813 früh 6 Uhr aus Weimar gefahren. 3/4 auf 7 nach Umpferstedt, 1/2 8 nach Roßla..., 3/4 auf 10 in Eckartsberga. Gedicht gemacht, Der treue Eckart. Um 11 in Kösen. Gegen 12 Uhr in Naumburg.”

So hat auch die Eckartsburg ihre kleine Geschichte, die sie mit dem großen deutschen Klassiker verbindet.

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