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Weihnachtsmarkt Eckartsberga Chorkonzert und Entführungskrimi Burgmannschaft begeisterte mit Rumpelstilzchen VON Roland Lüders, 08.12.02, Mitteldeutsche Zeitung
Eckartsberga. Auch wenn die kleine Hüttenstadt vor dem Rathaus Eckartsberga Gaumenfreuden und Geschenke zum Christfest bot und dort später der Bärtige seine Bescherung absolvierte: Angesichts des Spektakels im Rathaussaal geriet der Weihnachtsmarkt fast zur Nebensache. Im Saal reichten die Stühle nicht aus, um denen Platz zu bieten, die sich in die Märchenwelt entführen lassen wollten.
Und so wurde der nach einem Weihnachtskonzert des Feuerwehr-Chors Eckartsberga von der Burgmannschaft dargebotene Thriller um eine arme Müllerstochter, einen zwielichtigen Gnom und eine Beinahe-Kindesentführung flugs auch von zu Sitzgelegenheiten umfunktionierten Tischen verfolgt. Was da unter dem Titel Rumpelstilzchen über die Bühne ging, war zwar an das Märchen der Brüder Grimm angelehnt. Die Schöpfer der Eckartsbergaer Fassung sparten aber auch nicht mit Anleihen aus der Jetztzeit.
Denn einige der Namen der Märchengestalten kamen den Zuschauern doch recht gegenwärtig vor, denkt man bloß an Hans von Waigl oder Theo von Eichel, beide Finanzminister des Königs. Wobei ersterer allerdings wegen fehlender Geldbeschaffung schon unter dem Henkersbeil verblichen war. Da letzerer am Leben hing, versuchte er natürlich mit allen Mitteln, die leere Kasse seiner Majestät zu füllen. Und da trotz angezogener Steuerschraube der durch Jagdvergnügen und Kuba-Zigarren hohe Finanzbedarf der königlichen Regierung immer noch nicht gedeckt war, kam Eichel das Angebot eines prahlerischen Müllers gerade recht. Behauptete der doch, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Diese Kunst beherrschte natürlich nur ein geheimnisvoller Gnom, der der jungen Frau in der Stroh gefüllten Scheune erschien. Er verhalf der Müllerstochter zwar mit seinen drei Arbeitseinsätzen zum Schluss sogar zur Königin-Würde. Allerdings zu einem sittenwidrigen Preis: ihr erstgeborenes Kind.
Doch als der kleine Prinz auf der Welt war, versuchte die Königin, das erpresste Versprechen rückgängig zu machen. Der Goldspinner willigte unter einer Bedingung ein: Sie solle seinen Namen herausfinden. Das war dann gar nicht so schwer, konnte doch der Gnom beim Tanz um das Feuer im Wald sein Plappermaul nicht halte. "Ach wie gut das keiner weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß'", plauderte er vor einem lauschenden Späher der Königin namens Felix aus. Ende gut, alles gut? Wer weiß . . . Die Müllerstochter behielt zwar ihr Kind. Aber Rumpelstilzchen wurde nach Berlin delegiert, um dort dem heutigen Eichel die Kassen zu füllen. Warten wir's also ab, welchen Pferdefuß sich der Gnom für diese Dienstleistung ausdenkt.
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